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Mietspiegel 2011/2012 |
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„Die Mieten in Stuttgart steigen mehr als doppelt
so stark, wie die Lebenshaltungskosten. Doch hinter dem durchschnittlichen
Mietpreisanstieg von 3,8 % in zwei Jahren verbergen sich besonders
besorgniserregende Preiserhöhungen im unteren Preissegment des
Wohnungsmarktes“, kommentiert Mietervereinschef Rolf Gaßmann das
Zahlenwerk des neuen Stuttgarter Mietspiegels. So seien laut der
Auswertung der städtischen Statistiker die Preise für einfache
Altbauwohnungen in durchschnittlicher Lage um bis zu 6,7 % gestiegen. Bei
einer einfachst ausgestatteten 3-Zimmer-Wohnung in durchschnittlicher Lage
mit 67 m² bedeutet dies eine jährliche Mehrbelastung von 322,-- €. Die
Durchschnittsmiete einer Altbauwohnung liegt laut neuem Mietspiegel
inzwischen schon bei 7,21 € pro m². „Angesichts von stagnierenden und
teilweise sinkenden Nettoeinkommen führt dieser Preisanstieg zu noch stärkerer
Belastung einkommensschwacher Haushalte“, stellt der Mieterverein fest.
Der Vereinsvorsitzende appelliert deshalb an Stuttgarts Hauseigentümer,
die Erhöhungsspielräume nicht voll auszuschöpfen, sondern die
schwierige finanzielle Lage vieler Haushalte zu berücksichtigen. Schon im
letzten Jahr habe laut einer bundesweiten Studie die Wohnkostenbelastung
der Stuttgarter Haushalte mit 42 % den Spitzenplatz in der Bundesrepublik
Deutschland eingenommen. Im 10-Jahres-Vergleich ist die Durchschnittsmiete in
Stuttgart sogar von 5,75 € auf Die Ursachen des starken Preisanstiegs im letzten
Jahrzehnt liegen zum einen in der bekannten Marktenge am Wohnungsmarkt in
Stuttgart. So seien Stadt und Land bei der Förderung des
Sozialmietwohnungsbaus im letzten Jahrzehnt untätig gewesen. Der Bau von
gerade noch 28 geförderten Mietwohnungen im Jahr 2010 sei insbesondere im
Vergleich mit den finanziellen Anstrengungen anderer Großstädte beschämend.
Zum anderen tragen die gesetzlichen Vorschriften des
BGB zur Erstellung von Mietspiegeln Schuld am übertriebenen
Mietpreisanstieg. So dürfen bei der Erhebung des Statistischen Amtes nur
diejenigen Wohnungen in die Mietspiegelwerte eingehen, deren Preise in den
letzten 4 Jahren neu vereinbart oder erhöht worden sind. „Die
Mietpreise von rücksichtsvollen Vermietern werden bei der
Mietspiegelerhebung leider nicht berücksichtigt“, kritisiert Gaßmann.
Damit sei der Mietspiegel ein Spiegel der teuersten Wohnungen in der
Stadt. Auch der Mieterverein hatte sich für die Aufnahme
des energetischen Zustandes einer Wohnung in den Mietspiegel stark
gemacht. Allerdings hatte der Mieterverein nicht
nur für Zuschläge bei energetisch sanierten Wohnungen plädiert, sondern
auch Abschläge für „Energieschleudern“ unter den Wohnungen
gefordert. Mit letzterem konnte sich die Geschäftsführerin des
Mietervereins, Angelika Brautmeier, in den Verhandlungen leider nicht
durchsetzen. Bei den Mietpreisen mache sich dies jedoch kaum bemerkbar, da
die Anzahl der energetisch vollständig sanierten Wohnungen laut Erhebung
äußerst gering ist. Der Mieterverein anerkennt die im Rahmen des
Mietspiegelgesetzes erhobenen Mietpreise an. Gleichwohl hält er den
ungebrochenen Mietpreisanstieg für besorgniserregend. Der Mieterverein rät
den die Stuttgarter Mieterhaushalten, in den kommenden Wochen
hereinflatternde Mieterhöhungsschreiben nicht ungeprüft zu akzeptieren.
Denn vielfach liege die bezahlte Miete schon heute über der laut
Mietspiegel zulässigen Miete. Angelika Brautmeier rät, die Hilfe von Fachjuristen
des Mietervereins in Anspruch zu nehmen. Die Mietexperten beraten auch
Neumitglieder unmittelbar nach Beitritt zum Mieterverein über die Zulässigkeit
einer Mieterhöhung und führen den notwendigen Schriftverkehr mit dem
Vermieter. |